Allegri

Mitsingen, Bach-Chor Hamburg

Was uns neben Mozart gerade noch begeistert, ist das Miserere mei von Gregorio Allegri. Vermutlich ist das Werk in den 1630er Jahren entstanden, während Allegri unter dem Pontifikat von Urban VIII. päpstlicher Kapellsänger in Rom war. Das Miserere mei durfte nur in der Sixtinischen Kapelle gesungen werden. Das Kopieren der Partitur und die Aufführung an anderen Orten war bei der Strafe der Exkommunikation verboten, so dass Allegris Miserere bald von einem Mythos umrankt war.

Der 14-jährige Mozart hat diesen Bann gebrochen, indem er die Musik anlässlich seines Romaufenthalts im Jahre 1770, nachdem er sie in der Sixtinischen Kapelle gehört hatte, aus dem Kopf aufschrieb. Später traf er auf seinen Reisen den englischen Historiker Charles Burney, der das Stück übernahm und 1771 in London veröffentlichte. Nach dieser Publikation wurde die rigide Einschränkung aufgehoben. Allerdings beinhaltete die veröffentlichte Version nicht die reichen Ornamentierungen, für die das Werk heute bekannt ist. Im 18. und 19. Jahrhundert erfuhr das Miserere mehrere Umschreibungen und Ergänzungen, unter anderem durch Felix Mendelssohn Bartholdy 1831 und Pietro Alfieri 1840.

Das Miserere ist ein vergleichsweise schlichter Fauxbourdon-Satz für neun Stimmen, die sich auf zwei sich abwechselnde Chorgruppen verteilen. Ein fünfstimmiger Chor singt eine einfache Version des Miserere, der zweite, vierstimmige, an einer anderen Stelle des Aufführungsraums eine ornamentierte Variante. Durch einen Übertragungsfehler in einer durch Sir Ivor Atkins 1951 zusammengestellten Version wurde ein Abschnitt des Werkes eine Quarte zu hoch notiert, so dass die höchste Sopranstimme das dreigestrichene c (c3) erreicht – diese hohe Note findet sich nicht in den originalen vatikanischen Manuskripten und auch in keiner Notenausgabe vor 1951. Diese heute üblicherweise gesungene Variante des Stücks weicht also vom Original ab; durch ihre weite Verbreitung wurde sie dennoch zu einem Kunstwerk eigenen Ranges.